Naturwissenschaftliche Vereinigung Lüdenscheid e. V.
Lernwandern mit der Grundkarte 1:5.000

Innenstadtwanderung in Werdohl

(Auszug)


Der Weg ist 5,1 Kilometer lang und es sind 60 Höhenmeter in mehreren Etappen zu überwinden.

(1) Die Wanderung startet mit einem Weg entlang der Lenne in der Innenstadtnähe Werdohls. Bei der Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die beste Ausstiegsmöglichkeit die Haltestelle „Werdohl Kirche“. Sie befindet sich in der Innenstadt und es sind nur wenige Meter bis zur Lenne. Der kürzeste Weg befindet sich zwischen dem Kaufhaus und der Apotheke und mündet auf der „Goethestraße“. Die Anreise mit dem PKW endet auf dem Goetheparkplatz, nahe der Innenstadt. Der Parkplatz ist zentral an der Lenne gelegen, von allen Seiten und über die Stadtbrücke leicht zu erreichen.
Werdohl, Goethestrasse, LindenalleeDie Länge der Wanderstrecke beträgt ca. 5,1 Kilometer und die Steigungen beschränken sich auf erträgliche 60 Höhenmeter, die zwischen dem Lennetal und dem Lennestein in mehreren Abschnitten zu überwinden sind. Die Strecke ist in ungefähr 1,5 Stunden zu bewältigen.
Die Wanderung startet mit dem Fußgängerweg entlang der Lenne in Richtung Süden, vorbei am Kinderspielplatz. Alternativ kann auch der Weg unter der Lindenallee gewählt werden, die älteste noch bestehende doppelreihige Baumanpflanzung. Nach einem radikalen Kronenschnitt, mit dem die Bäume gerettet werden konnten, haben sie schmale Kronen ausgebildet, die so gar nicht an Linden erinnern. Von hier aus fällt auf, das der Fluss stark beschnitten wurde um Siedlungsraum zu schaffen. Die Bruchsteinmauer auf der gegenüberliegenden Seite schaffte Platz für eine Umgehungsstraße und zur Stadtseite begrenzt ein Damm (Lindenallee!) die natürliche Linienführung. Ein großer Teil der Werdohler Innenstadt liegt in der ehemaligen Flussaue und muss vor dem jährlich auftretenden Hochwasser geschützt werden. Seit dem Bau der Biggetalsperre hat die Regulierung des Abflusses für geringere Schäden gesorgt, als aus alten Zeiten bekannt sind. Die Folgen sind zu erkennen, ein einheitlich dahinfließender Fluss ohne die Vielfalt der Lebensräume, die ein Gewässer im Naturzustand bietet. Die Vegetation, die an einem Gewässer zu erwarten wäre, ist nur noch in den Erlen und Weiden zu erkennen.

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Geschichte des Rathauses

Die Geschichte des Rathauses beginnt in den Jahren 1912/13, aber nicht als Herberge für Amtsdiener, sondern für ledige Arbeiter. Der Bau dieses Wohnheims wurde nötig, weil es wurde immer schwieriger, adäquate Unterkünfte in Privathaushalten zu finden, „denn die gesundheitlichen und sittlichen Verhältnisse gaben Anlass zur Klage“, wie im Süderländer Volksfreund des Jahres 1913 vermerkt. Der Gemeinnützige Bauverein eGmbH Werdohl (eine 1901 ins Leben gerufene Genossenschaft Werdohler Firmen) baute ein Ledigenwohnheim. Die Fassade wurde aus hammerrechten Grauwackensandsteinen aufgebaut und das Dach mit Schiefer gedeckt. Der entstandene Bau wirkte imposant und die helle Verfugung und die weiß gestrichenen Fenster sorgten zudem für ein vornehmes Aussehen. Das Heim war für die damalige Zeit sehr gut ausgestattet, neben 92 Zimmern mit insgesamt 145 Betten gab es einen Speisesaal, einen Lesesaal, Wirtschaftsräume, sechs Vorratskeller, einen großen Bierkeller, einem Raum für Spiel- und Sportgeräte und eine Wohnung für den Verwalter. Für die Sicherheit war mit zwei Feuerhydranten pro Etage und 20 Meter langen Schläuchen gesorgt. Besonders hervorzuheben sind die Zentralheizung und die Waschgelegenheit mit warmem Wasser in jedem Zimmer und die Bäder im Keller. Für den Gebrauch des Ledigenwohnheims waren 2 Wannenbäder und 4 Brausebäder vorhanden, für den Ortsbedarf waren noch zusätzlich 4 Wannen- und 6 Brausebäder eingebaut, hinzu kamen ein Dampfbad, ein elektrisches Lichtbad und ein Massageraum. Der Süderländer Volksfreund vom 25. Juni 1913 vermerkt: „Die Bäder für den Ortsbedarf sind eingerichtet, weil der Bauverein der Ansicht war, dass hierfür in Werdohl ein dringendes Bedürfnis vorliegt“. So war die gute alte Zeit, manchmal roch sie etwas streng.

Der Komfort des Wohnheims wurde nicht ausreichend genutzt, die Wirtschaftlichkeit war schon nach wenigen Jahren nicht mehr gegeben. Der 1. Weltkrieg war mit verantwortlich für die chronische Unterbelegung, so dass das Haus schon 1917 wieder verkauft wurde. Die Firma Kugel & Berg ließ es zu einem Bürogebäude umbauen. In das Dachgeschoss wurde das Labor der Firma, im Kellergeschoss eine Versuchsstation zur Materialprüfung installiert.

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Verwendete Literatur (Auszug):
 

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© Naturwissenschaftliche Vereinigung Lüdenscheid e.V
Stand: 25.01.2003